Mut zur Vielfalt: neue Ausstellungen

Weitere Ausstellungen im Porenbeton-Projekt "Mut zur Vielfalt"

Ytong FlyerNach der erfolgreichen Präsentation bei Fluss mit Flair am 7.7.24 wird es im September zwei weitere Ausstellungen des Ytong-Projektes "Mut zur Vielfalt" geben. Am Samstag, den 21.9. zeigen wir die Köpfe beim Herbstmarkt in den Hardtgärten und ab 27.9. sind sie im Kulturbahnhof Lollar zu sehen.

In dem künstlerischen Projekt der Arbeitsloseninitiative Gießen e. V. bauten Erwerbslose Köpfe aus Ytong-Stein. Mit Hammer, Stecheisen, Säge und Raspel haben sich die 14 Teil­nehmenden – zum Teil zum ersten Mal – an solch eine handwerkliche Arbeit gemacht und ausdrucksstarke Gesichter gestaltet. Ausgangsmaterial waren gebrauchte Porenbeton-Steine aus einer Privatspende. Die Steine weisen Bruchkanten und Verschmutzungen auf, sind teilweise noch mit Mörtel und Zement beschmiert. Man sieht ihnen die Spuren ihres „früheren Lebens“ an, wo sie in einem Schuppen im Vogelsberg verbaut wurden.

Anstatt sie als Bauschutt zu entsorgen, werden sie hier weiterverwendet. Trotz ihres Al­ters und ihrer Makel bekommen sie hier eine neue Bedeutung. Und das wünschen sich die Menschen, die in die Arbeitsloseninitiative kommen oft auch: dass sie trotz ihrer sogenannten Vermitt­lungshemmnisse noch einmal eine Chance bekommen. Gleichzeitig wollen wir mit dem Titel „Mut zur Vielfalt“ zeigen, dass alle Menschen gleichermaßen wichtig und wertvoll sind, egal wo sie herkommen, wie viel sie verdienen oder welche Religion oder Sexualität sie praktizieren.

Ytong-Skulptur "Zeit zu weinen"Denn in die Arbeitsloseninitiative kommen täglich Menschen mit ganz verschiedenen Le­bensgeschichten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine Arbeit suchen und / oder Bürgergeld be­ziehen. Wenn in der Gesellschaft von „dem Bürgergeldempfänger“ gespro­chen wird, wird oft vergessen, welch verschiedene Lebenssituationen, Geschichten und Schicksale da­hinter stecken. Der 59-jährige Metallarbeiter, der wegen eines kaputten Rückens nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, die 35-jährige Alleinerziehende mit 3 Kindern oder der 48-jährige Syrer, der in seinem Heimatland Ingenieur war. In der Arbeitsloseninitiativ­e haben sie die Chance unter Menschen zu kommen, Beratung und Unterstützung zu erhalten und sich im Beschäftigungsprojekt „Begegnung und Netzwer­ke“ sinnvoll zu beteiligen. Dabei können sie ihre Fähigkeiten einsetzen und erweitern oder auch etwas ganz neues auszuprobieren.

„Das war anfangs schwer und ungewohnt für mich und etwas gewöhnungsbedürftig. Mit zunehmender Dauer wurde es dann einfacher und hat auch Spaß gemacht“, berichtet ein Teilnehmer. „Meine Skulptur habe ich einfach ,Mensch’ genannt. Denn Menschen sind wir alle und sollten alle mit Würde behandelt werden.“

Skulptur "Mensch"Eine andere Teilnehmerin nennt ihre Skulptur „Penenara“, was auf maori „Atem des Le­bens“ bedeutet. „Ich habe dabei an Inkas, Maori und Aborigenes gedacht, Völker mit einer ganz beeindruckenden Lebensweise, die aber auch oft diskriminiert werden. Man sollte sie respektieren und ihnen ihren Lebensraum zurückgeben.“ Sie beschreibt die Arbeit am Stein als meditativ und beruhigend.  

Eine weitere Teilnehmerin bearbeitet ihre eigene Erfahrung als alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Behinderung in der Arbeit am Stein. „Mensch mit Herz“ heißt die Skulp­tur, die glücklich lächelt, aber auch oft diskriminiert worden sei. „Wir haben da sehr viel Ausgrenzung und Anfeindung erlebt. Jetzt erst kann meine Tochter damit umgehen und darüber stehen. Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderung nicht ausgegrenzt, sondern wertgeschätzt und integriert werden.“

Mit der Ausstellung der Porenbeton-Gesichter möchten die Künstler*innen ein Zeichen setzen gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung und für Vielfalt, Respekt und Toleranz. Gebaut wurde auf dem Kinder- und Jugendbauernhof „die Hardtgärten“ wo genug Platz zum Werkeln zur Verfügung stand.